Die Aspermühle - Im Wandel der Zeit

Die Aspermühle kann auf eine lange Tradition zurückblicken und liegt nun seit fast 8 Jh. unterhalb des Asperbergs rechts der Niers in Asperden bei Goch und schmiegt sich somit südlich des Reichswalds an den Niederrheinischen Höhenzug an.

Aspermühle 20er Jahre

Aspermühle 20er Jahre

Die Aspermühle - Lage und Umgebung:

Sie reiht sich damit in eine Gruppe historischer Gebäude in unmittelbarer Umgebung ein.
Besonders erwähnenswert sind hier der Burgus bei Asperden, das Kastell zu Goch, Haus Driesberg und natürlich die Burg Rott aus der später das Kloster Graefenthal hervorging, welches historisch eng mit der Aspermühle verknüpft ist.

Karte Niederrhein Sehenswürdigkeiten

Historische Gebäude am Niederrhein

Die ältere Geschichte der Aspermühle:

Die erste urkundliche Erwähnung findet die in Asperden gelegene Mühle in 1301, mit dem damals für Urkunden üblichen Einleitungssatz „In nomini domini amen“ - „Im Namen des Herren Amen“.
Mit dieser Urkunde wurde am 18. Mai, des damals gebräuchlichen julianischen Kalenders, die Aspermühle an der Niers, welche in der Jülicher Börde nahe der Stadt Erkelenz entspringt und in die Maas mündet, durch Graf Rainald I. von Geldern(1255-1326) und Herzog von Limburg an die 15 Minuten flußabwärts gelegene Zisterzienserinnenabtei Graefenthal, in der dieser in 1326 auch begraben wurde, geschenkt.

Video über das Kloster Graefenthal

Man kann aber davon ausgehen, dass die Mühle eine deutlich ältere Geschichte hat, da diese schon vor der Schenkung, durch das 1248 gegründete Kloster Graefenthal, als Pachtobjekt bewirtschaftet wurde. Das Kloster Graefenthal und die Asperdener Mühle standen von Anfang an in enger Verbindung, da auch das Kloster von einem der Grafen von Geldern gegründet wurde. Nämlich von Otto II. von Geldern(1215-1271), dem Vater Rainalds I. Dieser hatte auch die Beinamen Otto der Lahme oder Otto mit dem Pferdefuß, war einer der einflussreichsten Fürsten im gesamten Niederrheingebiet und galt eine Zeit lang sogar als aussichtsreicher Thronkandidat.
Er erhielt unter anderem Emmerich und Nimwegen von Wilhelm von Holland als Reichsvogteien und lies letzteres zur Residenz ausbauen.

Die Mühle wurde von den Nonnen allerdings nicht selbst bewirtschaftet, sondern ursprünglich an die Familie von Wachtendonk verpachtet, die sie wiederum von ihrem Obermüller (molenmeester) bewirtschaften lies.

Die Aspermühle war allerdings nicht die einzige Mühle, die sich im Besitz des Klosters befand. Sechs weitere Mühlen wurden entweder selbst betrieben oder in Erbpacht vergeben.

Jedoch hatte die Aspermühle ein Alleinstellungsmerkmal. Anders als umliegende Mühlen in der Region, unterlag sie nicht dem in 1158 von Friedrich I. (Barbarossa)(1122-1190) erlassenen Mühlenzwang (Mühlenbann), denn sie war direkt der Abtei angeschlossen und durfte auch nur für sie mahlen. Der Mühlenzwang besagte, dass die Untertanen eines bestimmten Grundherren ihr Getreide nur in einer bestimmten Mühle mahlen lassen durften. Dies unterband zum einen den Wettbewerb unter den Müllern und sicherte dem Müller zum anderen ein regelmäßigen Einkommen. Manchmal lud dies aber auch zum Missbrauch ein, denn es oblag dem Müller, wessen Korn zuerst gemahlen wurde. Somit entschied zuweilen wohl eher der Höchstbietende, wer mit dem Mahlen als nächstes an der Reihe war.

Da das ausschließliche Mahlen für das Kloster Graefenthal auf Dauer für die Aspermühle aber nicht wirtschaftlich sein konnte, nahm man dort auf Anordnung der Herzogin Isabella von Geldern(+1376), Tochter Rainalds II.(1295-1343), die der Abtei als Äbtissin vorstand, zusätzlich noch einen zweiten Arbeitsbereich, den Walkbetrieb, mit auf.
Das Walken eine Art des Filzens, wurde ursprünglich in Hand- oder besser gesagt Fußarbeit erledigt, indem man mit den Füßen Wollstoffe über ein Walkbrett rubbelte. Man nahm hierzu zusätzlich ein Gemisch aus Seife, gefaultem Urin und sogenannter Walkererde zu Hilfe. Auf diese Weise verfilzte der Stoff an der Oberfläche und wurde somit dichter und wärmer und teilweise wasserabweisend. Dieser Vorgang dürfte einerseits sehr geruchsintensiv und wohl auch wenig umweltfreundlich gewesen sein, da die dabei entstehenden Abwässer damals sicher einfach in die Niers geleitet wurden.


Eine Walkmühle, welche mit Hilfe von Hämmern Tuche unermüdlich in großem Stil bearbeiteten konnte, ersetzte in der Regel bis zu 40 Fußwalker und war somit nicht unumstritten, da hier aufgrund der Mechanisierung Arbeitsplätze verloren gingen.

Für die Aspermühle jedoch dürfte das Walken aufgrund der direkten Nachbarschaft zur Weberstadt Goch und den Niederlanden, die im Mittelalter ein Hauptzentrum der Tuchherstellung waren, eine ökonomisch sinnvolle Ergänzung zum Mahlbetrieb gewesen sein.

Umso mehr, da es in der Stadt Goch die Regel gab, dass erst dann Tuche, die nicht in der Stadt selbst produziert worden waren, gewalkt werden durften, wenn keine Tuche von Stadtbewohnern mehr verfügbar waren. Da dies praktisch nie vorgekommen sein dürfte, war die Aspermühle eine naheliegende Alternative.

Im 16 Jh. wurde außerdem über eine Lohmühle ein weiterer Arbeitszweig erschlossen. Eine Lohmühle dient der Gewinnung von pflanzlichen Gerbmitteln, hauptsächlich aus Eichenrinde. Somit war die Lage am Reichswald natürlich optimal, zur Gewinnung des notwendigen Ausgangsmaterials.

Leider nahm das Mühlenhandwerk der Aspermühle in 1595 zeitweilig ein unrühmliches Ende. In den Wirren des 80jährigen Krieges (Spanisch-Niederländischer Krieg) welcher zusätzlich noch vom 30jährigen Krieg überschattet wurde, wurde die gesamte Region des Niederrheins stark in Mitleidenschaft gezogen und zu großen Teilen verwüstet.

Die Aspermühle und die Familie van de Loo:

So fiel, laut den Familienüberlieferungen der Familie van de Loo, auch die Aspermühle, wie viele andere Pachtobjekte des Graefenthaler Klosters, einem Großbrand zum Opfer. Die Bimmener Mühle beispielsweise brannte ebenfalls 1595 ab. Diesem Umstand geschuldet, fehlten dem Kloster die notwendigen finanziellen Mittel um die Mühle wieder aufzubauen und man ging somit dazu über die Mühle an einen finanzkräftigeren Investor in Erbpacht abzugeben, der die nötigen Mittel besaß, um die Mühle wieder aufzubauen. Diesem glücklichen Umstand ist geschuldet, dass die Aspermühle, anders als die Bimmener Mühle, wieder errichtet wurde.

Der neue Erbpachter und Bewirtschafter wurde Hendrick van den Loe(1550-1626), dessen Familienzweig zurück geht auf Bruen van den Loe(ca. 1445 - ca. 1509), Richter zu Weeze. Bruen war ein illigitimer Sohn von Ritter Johan van den Loe(um 1405-nach 1460), welcher Hofmeister beim Herzog von Kleve war und auch Schloss Wissen zu Weeze ankaufte, das noch immer Wohnsitz der Familie Von Loë ist. Bruen's Mutter war warscheinlich Heijlken van Abroeck.

Stammbaum Familie van de Loo

Stammbaum Bruen van den Loe


Bruens Nachfahre Hendrick van den Loe heiratete die damalige Tochter des Müllermeisters Hendrick Ver, Frau Engelberta Ver. Auf Hendrick und Engelberta van den Loe geht somit die gesamte Linie der Asperdener van de Loo‘s zurück.

Stammbaum Familie van de Loo

Stammbaum Hendrick van den Loe

Mit der Übernahme der Mühle schloss der neue Pächter und Müller einen direkten Vertrag mit dem Kloster Graefenthal, sodass nicht noch einmal zusätzliche Zahlungen an einen zwischengeschalteten Pächter, wie zuvor an die Familie von Wachtendonk, anfielen.

Da zum Nutzungsrecht der Niers auch ein Fischereirecht gehörte, war die Pacht an das Kloster in Form von Mehl- und Fischlieferungen zu leisten.

Nachdem der 30- und 80jährige Krieg beendet waren und die Mühle wieder aufgebaut war, wurde das Mühlenhandwerk fast 200 Jahre in Erbpacht fortgesetzt, bis die Aspermühle im Zuge der napoleonischen Säkularisierung 1805 durch Engelbert van de Loo (1778 - 1833) gekauft wurde.


Aspermühle vor 1900


Postkarte Triftstraße
Mühlrad ohne Umhausung vor 1900 und Ansicht Triftstraße 1901

15 Jahre später erfolgte die Einstellung des Walkbetriebs, da dieser wahrscheinlich nicht mehr wirtschaftlich gewesen sein dürfte.

Zum einen erlebte Ende des 18 Jh. bis Anfang des 19 Jh. die Baumwollindustrie einen enormen Aufschwung, da diese aufgrund der billigen Rohstoffgewinnung durch die Sklavenhaltung und die beginnende Industrialisierung, mit automatisierter Garnspinner- und Weberei, deutlich günstiger produzieren konnte.

Zum anderen hielt die Automatisierung auch in der Wollspinner- und Weberei Einzug. Dies hatte zur Folge das Wolle nicht mehr händisch, sondern von Maschinen in Großstädten und Industriezentren in großem Stil verarbeitet wurde.

Dies machte einzelne Verarbeitungsschritte wie das Walken in ländlichen Gebieten deutlich unrentabel und verstärkte in strukturschwachen Gebieten den Anfang des 19. Jh. beginnenden Niedergang der Wollindustrie.


Wilhelm van de Loo, 1850



Ab 1833 wird die Mühle von Wilhelm van de Loo(1805-1883), Bürgermeister von Asperden und Kessel, übernommen und weitergeführt.

Hier ein Bild aus dem Jahre 1850.

Da die van de Loo‘s durchaus geschäftstüchtig waren, erweiterten sie den Mühlenbetrieb 1864 um ein weiteres Mühlrad, wodurch eine Ölpresse und eine Gattersäge angetrieben wurden.

Da Asperden direkt am Reichswald liegt, dürfte die Anschaffung der Säge durchaus Sinn gemacht haben, da hier aufgrund der Forstwirtschaft großen Mengen an Holz zur Verfügung standen.

Video Gattersäge


Aber diese Erweiterung war leider auch nicht völlig konfliktfrei, da sich, durch die notwendige zweistufige Anstauung des Wassers, immer mehr Landwirte über die andauernde Überschwemmung ihrer Felder beschwerten.

Dieser Konflikt endete schließlich vor dem Reichsgericht in Leipzig und wurde hier für die Familie van de Loo entschieden, da nachgewiesen werden konnte, dass aufgrund der Nutzung zweier Mühlräder, die starke Anstauung von Nöten war.

Überschwemmung der Niersauen

Überschwemmung der Niersauen

Das Mühlenhandwerk konnte also vorerst ungestört weitergehen, bis im Jahre 1932 aufgrund der Begradigung der Niers eine Umrüstung der Mühlen auf Elektroantrieb erfolgen musste.


Niers-Flußlauf



Niers vor Begradigung

Niers-Flußlauf im natürlichen Zustand, vor der Begradigung.


Niers nach 1932


Niers nach Begradigung

Niers-Flußlauf nach der Begradigung


Die Wirren des 2. Weltkrieg überstand die Aspermühle zum Glück schadlos, obwohl der Niederrhein stark umkämpft war.

Der Mühlenbrand 1959:

Umso bedauerlicher ist es, dass sie im Jahre 1959 erneut einem verheerenden Brand zum Opfer fiel.

Zeitungsmeldung Mühlenbrand

Zeitungsausschnitt Brand Aspermühle

Löscharbeiten

Löscharbeiten Aspermühle

Löscharbeiten an der Aspermühle

Geschichte Aspermühle nach 1959:

Zwar wurde das Mühlgebäude danach in seiner ursprünglichen Form wiederaufgebaut, aber aufgrund des Mühlengesetzes von 1957, das vor allem kleinere und mittlere Mühlen betraf, wurde der Mahlbetrieb dennoch eingestellt.

Aspermühle Wiederaufbau

Wiederaufbau der Aspermühle

Da es in Deutschland einen deutlichen Überschuss an Mühlen gab, wurde Mühlenbesitzern eine Entschädigung gezahlt, wenn diese im Gegenzug ihre Mühle für 30 Jahre stilllegten.

Danach beschränkte sich der Betrieb der Aspermühle bis ins Jahr 1975 nur noch auf die Tierfutterproduktion und den Getreidehandel.

Aspermühle vor dem Brand

Aspermühle vor dem Brand

Aspermühle Teich

Aspermühle Halle

Aspermühle heutzutage

Aber auch danach wurde das Mühlgebäude weiter genutzt. Zunächst durch den Kakaohändler Evers, der immer noch in Goch ansässig ist. Später wurde durch ein Familienmitglied ein Buchhandel betrieben.

Nachdem die Mühle einige Jahre leer stand, erfreut sie sich seit 2009 wieder regsamer Betriebsamkeit, da die naturwaren-niederrhein GmbH hier ihren Firmensitz hat und von dort aus hochwertige Bio-Lebensmittel vertreibt.

Seitdem wurden umfangreiche Restaurierungsarbeiten vorgenommen, u. a. wurde der Dachstuhl und die Dachdeckung erneuert und das alte Radhaus und die Lagerhalle erstrahlen wieder im alten Glanz.

Wir bedanken uns herzlich bei Frau Elisabeth van de Loo und Herrn Richard van de Loo für die tatkräftige Unterstützung, das umfangreiche Wissen und das Bildmaterial.