Die Renaturierung der Niers und andere naturnahe Räume zwischen Aspermühle und Kessel Teil 2

Der Reichswald ein historischer Rückblick:

Wie bereits in Teil 1 beschrieben, befindet sich der Reichswald auf dem niederrheinischen Höhenzug und ist das größte zusammenhängende Waldgebiet am Niederrhein.

Auch der Reichswald hat in den vergangen Jahrzehnten stark unter dem Einfluss des Menschen gelitten.

Während des 2. Weltkriegs wurde große Teile des Wald durch Granaten und Bomben in der „Schlacht um den Reichswald“ (operation-veritable) zerstört. Diese fand im Februar 1945 zwischen den Allierten Streitkräften(Kanada, USA, Vereinigtes Königreich) und dem deutschen Reich statt.

Die Teile des Waldes, die danach noch standen, mussten einerseits Platz machen, für die Errichtung der Dörfer Nierswalde und Reichswalde, welche für die ankommenden Flüchtlinge aus dem Osten benötigt wurden.

Zum anderen war Heizmaterial nach dem 2. Weltkrieg ein äußerst knappes Gut, sodass der Wald, oft durch illegalen Schlag, gerodet und zu Brennholz verarbeitet wurde.
Leider wurde dieser Wald später mit schnellwachsenden Fichten und Kiefern aufgeforstet, um dem schnell steigenden Holzbedarf gerecht zu werden.

Dies brachte natürlich neue Probleme mit sich, denn ein Monokultur-Nadelwald ist anfälliger für Krankheiten und Schädlinge, wie Borkenkäfer und er ist darüber hinaus nicht sonderlich hitze- und trockenresistent und damit auch deutlich anfälliger für Waldbrände.

Dies ist unter anderem ein Problem, weil es im Reichswald immer wieder Munitionsfunde, wie alte Phosphorgranaten, gibt, die im wahrsten Sinne des Wortes brandgefährlich sind und auch heute immer noch Waldbrände auslösen.

Besonders gefährlich wurde dies im Jahr 1976 als es im Reichswald zu einem Großbrand kam, der durch alte Munition immer wieder angefacht wurde.

Heutzutage wird diese Situation durch den Klimawandel natürlich deutlich verschärft, wie man dieses Jahr auch in Deutschland und vielen anderen Europäischen Ländern leider wieder erleben durfte.

Der beste Weg hier präventiv zu handeln, ist die Schaffung eines natürlichen Waldes. Auch deshalb beginnt man heute den Reichswald wieder mehr in Richtung Mischwald zu entwickeln.

Aufforstung, Renaturierung und Grundwasserschutz im Reichswald:

2019 begann ein großes Aufforstungsprojekt, bei dem 250.000 Bäume, hautptsächlich Eichen und Buchen, gepflanzt wurden.
Die ursprüngliche Bepflanzung aus Fichten und Kiefern wird dabei, genau wie es bei Pionierpflanzen der Fall ist, als Sonnenschutz genutzt.
Im Gegensatz zu Nadelgehölzen haben Laubbäume den Vorteil, dass sie stärker zur Grundwasserneubildung beitragen, da sie im Jahresmittel auch aufgrund der fehlenden Belaubung, weniger Wasser verdunsten, welches dann wieder dem Grundwasser zugeführt wird.

Aber nicht nur die Verdunstungsrate des Baumes spielt eine Rolle, sondern auch wieviel Wasser überhaupt am Boden ankommt. Beispielsweise lässt eine Kiefer aufgrund ihrer ausladenden Krone an deren Nadeln deutlich mehr Wasser hängen bleibt, als an einer Buchenkrone, deutlich weniger Wasser zum Waldboden durch, sondern verdunstet dieses direkt wieder.
Auch der Stammabfluß ist bei Buchen höher als z.B. bei Nadelbäumen.

Eine Studie zum Thema Wasserhaushalt- und Forstwirtschaft, finden Sie hier.


Auch auf dieser Seite des Flusses kann man allerlei Sehenswertes und einige lauschige Plätze entdecken.

An der Niers

Sumpfgebiet an der Niers
An der Niers


Diverse und artenreiche Ökosysteme im Reichswald:

Nach etwa 600m Fußweg erkennt man auf der rechten Seite ein kleines Sumpfgebiet.

Auch Sümpfe sind wertvolle Ökosysteme, die verschiedenen Tier- und Pflanzenarten Lebensraum gewähren.

Zur Eiablage sammeln sich auch hier wieder Frösche und Libellen und eigentlich sind Sümpfe und Feuchtwiesen auch optimale Lebensräume für Ringelnattern und Kreuzottern.

Leider gibt es am Niederrhein so gut wie keine bekannte Population von Kreuzottern oder Ringelnattern mehr, deshalb ist es höchst unwahrscheinlich das man sie hier zu sehen bekommt

Sumpf an der Niers

Sumpfgebiet an der Niers
Sumpfgebiet


Was man im Reichswald aber wohl zu sehen bekommt sind Blindschleichen und Waldeidechsen.

Aber auch hier muß man besonderes Glück haben.

Blindschleichen sind nicht giftig und auch wenn man es optisch vermuten mag keine Schlagen sondern Echsen. Sie sind sehr empfindliche Tiere und man sollte sie deshalb in Frieden lassen und nicht berühren.

Nach weiteren 500m finden wir am Wegpunkt…, direkt nach der Weggabelung eine weitere Auenwiese.

Auwiese Niers

Auwiese an der Niers

In der Abenddämmerung finden sich hier gerne Wildschweine ein um den Boden nach Nahrung zu durchwühlen.

In der Regel sind sie ungefährlich, da sie sich von Menschen eher fernhalten. Wenn man mit neugierigen Hunden unterwegs, sollte man allerdings aufpassen, denn ein Keiler oder eine Bache mit Jungen können durchaus gefährlich, wenn sie vermuten, dass sie angegriffen werden.

Mit Ihren scharfen Hauern und Zähnen können sie bei Hunden lebensgefährliche Fleischwunden anrichten.

Zwischen Sumpf und Auenwiese befand sich am Hang auf der gegenüberliegenden Wegseite um 367 n. Chr., der Zeit Valentinians I., ein römischer Burgus, also ein altes Kastell, welches der Abwehr germanischer Stämme und damit der Grenzstabilisierung dienen sollte.

Leider ist davon heute nichts mehr zu sehen, denn das Gebiet wurde nach Grabungsarbeiten wieder zugeschüttet, um Plünderungen vorzubeugen.

Einen Großteil des Wegs haben wir nun auch schon hinter uns und befinden uns auf der Zielgeraden.

Auf dem letzten Stück des Wegs kann man noch einmal sehen, dass auch anderweitig versucht den Wald wieder in einen natürlichen Zustand zu bringen.

Mischwald Reichswald

Mischwald

Früher ist der Wald in der Regel aufgeräumt worden. Das heißt beschädigte Bäume und Totholz wurden entfernt und niedrigwüchsige Pflanzen und Sträucher hatten keine Möglichkeit zu wachsen, da die Bäume in der Regel so eng gepflanzt wurden, dass kein Sonnenlicht den Boden erreichen konnte.

Heutzutage hat man zum Teil aus diesen Fehlern gelernt und entfernt sich zum einen von zu eng gepflanzten Monokulturen und ersetzt diese, wie oben beschrieben, durch Mischwälder, lässt alte Bäume und Totholz stehen und lässt dem Wald auch die Möglichkeit sich wieder selbständig zu kultivieren.

Totholz Reichswald

Totholz im Reichswald

Dies bietet diverse Vorteile.

Vorteile von Totholz im Wald:

Ein gesunder Mischwald ist deutlich weniger anfällig für Schädlinge und Trockenheit.

Einige Borkenkäfer-Arten, wie der Buchdrucker oder der Kupferstecher, die in den letzten Jahren für großen Schäden unter den Fichten-Monokulturen gesorgt, nisten sich vor allem in geschwächten oder bereits vorgeschädigten Pflanzen ein.

Da Fichten Flachwurzler sind leiden sie klimawandelbedingten in den letzten Jahren vermehrt unter Hitze- und Trockenstress und bieten Borkenkäfern somit eine optimale Angriffsfläche.

Mischwälder können dem entgegen wirken. Zum einen sind Laubbäume nicht anfällig für diese Arten der Borkenkäfer, womit die Ausbreitung des Käfers verlangsamt wird.

Zum anderen halten, wie bereits beschrieben, Laubbäume das Wasser besser im Boden und sorgen somit für einen höheren Grundwasserspiegel, der natürlich auch den Nadelbäumen hilft.

Wenn diese gesünder sind, reichen die eigenen Abwehrkräfte in der Regel aus um die Borkenkäferpolulation in Schach zu halten. Normalerweise produziert ein Nadelbaum bei einem Borkenkäferangriff vermehrt Harz um den Borkenkäfer abzutöten. Wenn der Baum allerdings unter Trockenstress leidet, funktioniert dieser Mechanismus nicht mehr richtig und der Borkenkäfer hat leichtes Spiel.

Totholz im Reichswald

Kranke oder bereits abgestorbene Bäume stehen zu lassen bietet aber auch direkte Vorteile in der Schädlingsbekämpfung, denn einige Gegenspieler der Borkenkäfer, wie die räuberische Langbeinfliege oder Schlupfwespen, schlüpfen erst einige Zeit nach dem Borkenkäfer. Wenn vorher ein toter Baum entfernt wird, entfernt man damit auch die natürlichen Schädlingsbekämpfer.

Weitere Insekten, z.b. verschiedene Wildbienenarten, nutzen die Borkenkäfergänge für Ihre Brut.
Ameisen lieben Totholz als Nest- und Nahrungsgrundlage. Wespen nutzen Totholz als Material für Ihren Nestbau und Marienkäfer nutzen tote Baumstämme zur Überwinterung.

Auch Vögeln kommen bieten kranke oder tote Bäume einen Nutzen.
Einige Spechtarten bauen Ihre Nisthöhle bevorzugt in morschen oder faulen Baumbereichen und ernähren sich gerne von Borkenkäferarten, wie dem Buchdrucker, der in krankem oder toten Holz zu finden ist.

Liegen gebliebenes Holz sorgt auch dafür, dass sich Bäume besser wieder ansiedeln können, da sie es dem Wild schwerer machen neue Bäume zu verbeißen, da sie diese deutlich schlechter erreichen können, als in einem aufgeräumten Wald. Außerdem wird die Verdunstung in diesen Bereichen erheblich reduziert.

Wir sind nun fast wieder an der Aspermühle angekommen und können uns im Sommer gerade auf dieser Strecke des Wegs vor allem an dem immer wiederkehrenden Fingerhut erfreuen.

Der Fingerhut – Superfood für die Hummel – Vorsicht bei Menschen:

Der Fingerhut ist bei Hummeln hochbeliebt, denn er bietet sowohl einen guten Vorrat an Nektar als auch an Pollen und die Hummel ist spezialisiert darauf den Fingerhut anzufliegen.


Fingerhut

Fingerhut mit Hummel

Fingerhut mit Hummel

Fingerhut mit Hummel

Das der Fingerhut giftig ist, macht ihr dabei zunächst nichts aus.
Ungefährlich ist der Anflug leider trotzdem nicht immer. Denn in Glocken des Fingerhut wohnt gerne auch eine andere Tierart die sich spezialisiert hat,in diesem Fall auf Hummeln oder andere Insekten als Nahrungsquelle, die Krabbenspinne.
Diese lauert in den Glocken und sobald eine Hummel landet hält sie diese mit ihren kräftigen Vorderbeinen fest, stößt ihr die kräftigen Fangzähne in den Nacken, injiziert ein hochwirksames Gift und beginnt diese auszusaugen. Krabbenspinnen sind dabei Meister der Tarnung und können ihre Farbe an den Untergrund anpassen.

Normalerweise bietet der Fingerhut für Hummeln aber mehr Vorteile als Risiken.

Für den Menschen ist er hochgiftig, richtig dosiert sind die aus dem Digitalis gewonnenen Glykoside allerdings hochwirksame Herzmittel, die zur Stärkung des Herzens und der Regulierung der Herzfrequenz beitragen.


Wir beenden den Spaziergang an der Aspermühle, wo man zur Stärkung ein leckeres Glas Honig erstehen kann :)

In unserem Onlineshop finden Sie diverse lecker Honige:

Cremiger Blütenhonig

Cremiger Blütenhonig

Blütenhonig mit Honigtau

Blütenhonig mit Honigtau

Akazienhonig mit Haselnuss

Akazienhonig mit Haselnuss

Blütenhonig mit Himbeere

Blütenhonig mit Himbeere