Ginseng – Eine traditionsreiche Wurzel – Aber wird Sie den Erwartungen gerecht?

Um das herauszufinden beleuchten wir die Ginseng Wurzel in diesem Artikel etwas näher.

Was ist Ginseng?:

Ginseng ist eine krautartige Pflanze aus der Gruppe der Efeugewächse, die ursprünglich aus Ostasien stammt. Ginseng bedeutet übersetzt so viel wie ‚Heilmittel‘. Ihre Wurzel hat einen medizinischen Nutzen für den Menschen und in der chinesischen und koreanischen Medizin wird das Araliengewächs schon seit mehreren tausend Jahren als Heilmittel eingesetzt; das belegen Schriftstücke, die etwa 40 v. Chr. verfasst wurden.
Seit dem 17. Jahrhundert ist Ginseng auch in Europa bekannt und wird zunehmend beliebter.
Die Powerwurzel soll Körper und Geist aktivieren und die Konzentration fördern.
Es gibt zwei Arten von Ginseng, den roten und den weißen. Es gibt aber nur einen grundlegenden Unterschied: Der rote Ginseng wird nach der Ernte mit ca. 100 °C heißem Dampf für 3-5 Stunden bedampft, wodurch er seine rote Farbe erhält, und dann getrocknet; der weiße hingegen wird direkt getrocknet.

Historisches zu Ginseng:

Seit mehr als 5000 Jahren wird Ginseng als Adaptogen angewandt. Adaptogene sind aktive Pflanzenstoffe, die dem Organismus dabei helfen, sich an erhöhte emotionale und körperliche Stresssituationen anzupassen und besondere Reize zu kompensieren. Schon circa 40 Jahre v. Chr. galt Ginseng als Mittel für ein gesundes und langes Leben und war damit den Adligen, Königen und Kaisern vorbehalten. Für sie hatte die Pflanze einen höheren Wert als Silber und Gold. Ginsengsammler durften selbst nur eine Wurzel behalten, alle übrigen mussten sie dem Hofstaat übergeben. Den Bürgern stand sogar die Todesstrafe bevor, sollten sie dem nicht nachkommen.
Vor ungefähr 2000 Jahren plante der Kaiser Shi Huang Ti Expeditionen nach Korea um sich an der wertvollen Ginsengpflanze zu bereichern; denn Ginseng sollte den Thron vor Verschwörungen und vor dem Bösen schützen.
Obwohl die Pflanze schon seit mehreren tausend Jahren als Heilmittel bekannt ist, fand sie erst vor 300-400 Jahren ihren Weg nach Europa. Seither wird die Kraftwurz aber zunehmend populärer und ihr medizinischer Nutzen wurde in verschiedenen Studien untersucht. Weitere Informationen dazu finden Sie im Kapitel „Studien“.

Anbau, Ernte und Verarbeitung der Ginsengwurzel:

Der Ginsenganbau ist sehr zeitaufwendig. Zum Keimen braucht der Samen zwei Jahre und die Pflege der Pflanze ist sehr intensiv. Ein koreanisches Sprichwort sagt: „Der Ginseng möchte ständig die Schritte des Bauern hören.“ Damit sollte deutlich werden, welcher Aufwand hinter der Anzucht steckt.
Der Boden benötigt nach der Ernte ungefähr zehn Jahre Ruhe bevor neuer Ginseng in der Erde gepflanzt werden kann, denn diese enthält vor Ablauf der zehn Jahre zu wenig Nährstoffe, sodass die junge Pflanze vorzeitig absterben würde. Zur Anzucht eignen sich am besten kaliumreiche Böden in einer Höhe von 400 – 700 Metern.
Im Sommer sind Temperaturen zwischen 20 und 25 °C, im Winter zwischen 1 und 14 °C optimal. Auch geringe Mengen Schnee können der Pflanze nichts anhaben.
Ginseng wird im Herbst gepflanzt und muss unbedingt vor zu hoher Sonneneinstrahlung geschützt werden, denn wilder Ginseng wächst ausschließlich an schattigen Plätzen im Wald. Ginsengbauern verwenden zum Schutz häufig Strohmatten. Ein geringer Teil Sonneneinstrahlung ist für das Wachstum unverzichtbar, bei zu viel oder gar keinem Licht würde die Pflanze aber absterben. Die Ginsengpflanze wird bis zu 80 cm hoch und verfügt am Stängel über handförmige Blätter.
Man sollte außerdem auf die richtige Bewässerung achten; vermeiden Sie unbedingt Staunässe sowie Trockenperioden.
Die roten oder gelb-weißen Blüten der Pflanze tragen die Samen für die nächste Aussaat in sich. Diese Samen sind umgeben von Fruchtfleisch, das vor der Aussaat entfernt werden muss. Die zylinderförmige Wurzel bildet zahlreiche Nebenäste aus und das innere der Wurzel ist cremefarben. Vier Jahre nach der Keimung können die wertvollen Wurzeln geerntet werden. Insgesamt dauert es also circa sechs Jahre bis zur Ernte; eine frühzeitige Ernte kann eine erhebliche Qualitätsminderung zur Folge haben. Die Farmer haben sich mittlerweile jedoch einige Tricks angeeignet, um die Reifung voranzutreiben und sie um zwei Jahre zu verkürzen. Zunächst werden die Samen vor der Aussaat in feuchtem Sand eingeweicht. Die Schale bricht so leichter auf und die Keimung findet früher statt. Außerdem wird die Erde ausgetauscht, um die zehn Jahre Ruhezeit zu umgehen. Ob darunter jedoch die Qualität der Ginsengwurzel leidet ist umstritten.
Nach der Ernte werden die Wurzeln mit klarem Wasser gereinigt und für die Trocknung vorbereitet. Die Ginsengwurzel hat einen Wasseranteil von mehr als 70 %. Die Trocknung in Öfen oder Gefriertrocknern verhindert also das Verderben der wertvollen Powerwurzel.
Die getrocknete Wurzel wird dann zu Pulver oder Extrakt, oft aber auch einfach zu Würfeln oder Scheiben weiterverarbeitet.

Ginseng - Darreichungsform und Verwendung:

Die Ginsengwurzel hat einen sehr hohen Wasseranteil, weshalb die Wurzel nach der Ernte schnell verdirbt. Üblicherweise wird sie also in getrockneter Form angeboten. Hier gibt es allerdings völlig unterschiedliche Darreichungsformen: Pulver, Kapseln, (Kau-)Tabletten, Granulat, Tee, Tonikum (Schnaps) oder in ihrer natürlichen Form. Die geläufigste Art ist aber vermutlich das Ginseng-Pulver und die getrocknete Wurzel.
Ginseng riecht nach Meerrettich, manchmal auch nach Lakritz und schmeckt zunächst bitter, danach bildet sich aber ein süßlicher Geschmack aus.
Man kann die Wurzel auf verschiedene Arten verwerten und in der Küche einsetzen. Besonders gut eignet sich Ginseng als Gewürz für Salate oder Gemüse. Als Tee ist die Wurzel ebenfalls sehr beliebt. Hierzu kann man das Pulver oder die getrocknete Wurzel zerkleinert mit siedendem Wasser übergießen und ein paar Minuten ziehen lassen.

Welche Inhaltsstoffe findet man in Ginseng?:

Die Ginsengpflanze beinhaltet viele unterschiedliche Stoffe, die wohl wichtigsten sind die Ginsenoside. Weitere Informationen hierzu können Sie im folgenden Kapitel nachlesen.
Neben den Ginsenosiden sind aber auch Mineralstoffe und Spurenelemente, ätherische Öle und Vitamine nachgewiesen worden. Auch essenzielle Fett- und Aminosäuren fehlen nicht und tragen zu einer wahren Nährstoffbombe bei. ‚Essenziell‘ bedeutet, dass der Körper diese Stoffe nicht selbst, oder nicht vollständig bilden kann und wir diese daher mit der Nahrung zuführen müssen. Aminosäuren sind Bausteine von Proteinen und damit unverzichtbar für die Muskulatur.
Wichtige Mineralstoffe wie Zink und Eisen sind ebenfalls lebensnotwendig und in nicht vernachlässigbarer Menge in Ginseng enthalten.

Ginsenoside - Die Waffen der Ginsengwurzel:

Ginsenoside sind Saponine aus der Ginsengwurzel. Sie werden auch als Panaxoside bezeichnet und dienen der Pflanze zur passiven Abwehr von Pilzen und Fraßinsekten.
Es existieren drei Gruppen der Panaxoside:
• Panaxdiole
• Panaxtriole
• Oleanolsäuren

Weiterführender Link zu Ginsenosiden >>>

Das therapeutische Potential von Ginseng wurde intensiv untersucht. Die darin enthaltenen Ginsenoside sind die aktiven Komponenten der Ginsengwurzel und sollen an vielen physiologischen Vorgängen und deren Optimierung beteiligt sein. Ginsenoside binden an nerventypische Rezeptoren und da sie in ihrer Zusammensetzung den körpereigenen Stoffen sehr ähnlich sind, beruht ihre Wirkung auf dem „Schlüssel-Schloss-Prinzip“. Mittlerweile wurden ungefähr 30 Ginsenoside identifiziert. Die Zusammensetzung und Qualität der Ginsenoside wird durch verschiedene Faktoren beeinflusst; beispielsweise durch das Alter der Pflanze, die Spezies und die Erntezeit.
Studien belegen, dass Ginseng, beziehungsweise die Ginsenoside, die körpereigene Abwehr gegen Stress fördern können. Ebenso soll das Immunsystem gestärkt werden; auch das soll den Ginsenosiden zugeschrieben werden.
Der Mensch kann die Ginsenoside also für die eigene Gesundheit nutzen. Denn nicht nur die Stressresistenz wird gefördert, auch der Blutdruck kann reguliert werden, sowie auch der Stoffwechsel und das Immunsystem.

Alle Jahre wieder - Das Ginsengfestival:

Seit mehr als dreißig Jahren findet jährlich zur Erntezeit in Chungcheongnam-do, eine Provinz in Südkorea das Ginsengfestival Geumsan statt. Hier sollen die Vorteile und heilenden Wirkungen, die Ginseng zu bieten hat, präsentiert und hervorgehoben werden.
In Chungcheongnam-do wird der Großteil der Ginsengpflanzen aus Südkorea angebaut und verarbeitet. Aber auch der Markt anderer Heilkräuter zählt zu den größten des Landes.
Auf dem Ginsengfestival werden die unterschiedlichsten Programmpunkte rund um die Powerwurzel angeboten; es gibt Seminare über die Heilwirkung von Ginseng, einen Pavillon, in dem verschiedenste Ginsengprodukte angeboten werden, sowie mehrere Messen für den internationalen Ginsenghandel. Aber auch traditionelle Volksspiele, Gesang und Tanzaufführungen sind sehenswerte Ereignisse. Sogar ein Kochwettbewerb und ein Quiz werden auf dem beliebten Festival angeboten. Und das allerwichtigste: Die Ginsengbauern der Region präsentieren nach sechs Jahren stolz ihre Ernte. Eine Altersbeschränkung für dieses Fest gibt es nicht, sodass Menschen aller Altersgruppen hier zusammentreffen und Spaß haben.

Studien über Ginseng:

Asthmatische Erkrankungen:

Ein großer Teil der Forschung findet im Bereich asthmatischer Erkrankungen statt. Die aktuellen Therapiemaßnahmen schlagen zwar an und helfen Atemwegsentzündungen zu reduzieren, die strukturellen Veränderungen des Schleimhautgewebes, die die Krankheit auf lange Sicht mit sich bringen, verhindern diese jedoch nicht.
Diese Studie zielt darauf ab, die Wirksamkeit von Ginseng (oral verabreicht) bei Labormäusen mit chronischem Asthma zu bestimmen. Hierzu wurde den Labormäusen eine genau definierte Menge Ginseng über einen bestimmten Zeitraum oral verabreicht.

Link zur Studie: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18611306

Die Mäuse wurden in vier Gruppen eingeteilt: Ginseng, Placebo, Kontrollgruppe und Dexamethason, ein entzündungshemmendes Mittel, das dämpfend auf das Immunsystem wirkt. Zur sachgerechten Evaluation wurde das krankhaft veränderte Lungengewebe mit Licht- und Elektronenmikroskopen untersucht.
Verglichen mit der Placebo-Gruppe stellte sich bei den Mäusen, denen Ginseng verabreicht wurde, eine Verminderung der strukturellen Atemwegsveränderung heraus.
Am menschlichen Organismus wurde diese Studie allerdings noch nicht durchgeführt, weshalb eine hundertprozentige Übertragbarkeit dieser Ergebnisse auf den Menschen nicht gewährleistet ist. Dennoch ist diese wissenschaftliche Erkenntnis ein enormer Fortschritt in der Asthmatherapie und regt zu weiteren Forschungen an.

Ginseng und die mentale Leistung:

Eine Studie der Human Cognitive Neuroscience Unit der University of Newcastle  konnte belegen, dass schon die einmalige Einnahme von Ginseng die mentale Leistungsfähigkeit steigern kann.

Link zur Studie: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/12020739

Zwanzig Studenten wurde über einen bestimmten Zeitraum eine definierte Menge Ginseng, Gingko, ein Kombinationspräparat oder ein Placebo verabreicht. Im Anschluss wurden Gedächtnistests durchgeführt. Die Ergebnisse brachten nicht nur die erhöhte Gedächtnisleistung hervor, sondern auch mentale Schnelligkeit.
Eine andere Studie dieser Forschungseinrichtung, bei der den dreißig Probanden je 200 mg Ginseng verabreicht wurden, konnte ebenfalls eine Verbesserung der kognitiven Fähigkeiten belegen.

Link zur Studie: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15982990

Aber auch die mentale Erschöpfung war deutlich geringer, was mit der Regulation des Blutzuckerspiegels begründet wird.
Diesen Effekt untersuchten Forscher in einer weiteren Studie und konnten nachweisen, dass Ginseng den Glukosespiegel im Blut senken und so auch eine positive Wirkung auf Diabetes haben kann.

Link zur Studie: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25265315

Aber auch gegen Stress soll Ginseng ein Wundermittel sein. Stress entsteht durch die Ausschüttung von Adrenalin und Noradrenalin, sowie durch die Freisetzung von Cortisol. Normalerweise wird diese Körperreaktion reguliert, ist diese Regulationsfähigkeit aber gestört, befindet sich der Körper dauerhaft in einer Stressreaktion, was letztlich zu chronischem Stress führen kann. Hier sorgt Ginseng für den notwendigen Ausgleich und unterstützt den menschlichen Organismus dabei, sich schädigenden Reizen und Einflüssen (Noxen) besser anpassen zu können.

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Take-Home-Massage:

Die hier aufgezeigten Studien unterstützen und verstärken ihre Ergebnisse gegenseitig. Zusammenfassend kann man also festhalten, dass Ginseng möglicherweise die Konzentration fördern und uns stressresistenter machen kann. Insbesondere der zweite Punkt ist sehr wichtig und steht daher im Fokus weiterer Forschungen, denn chronischer Stress macht die Menschen krank. Heutzutage ist es aber leider völlig normal, dass uns Stress den ganzen Tag begleitet. Meist schon vor der Arbeit hetzen wir uns durch den Berufsverkehr und kommen durch stockenden Verkehr und Staus bereits genervt auf der Arbeit an. Auch hier sind die Menschen oft gestresst, denn ständiger Leistungsdruck und Wettbewerbsfähigkeit fordern oftmals mehr als wir leisten können. Nach einem stressigen Arbeitstag können wir, erneut im Berufsverkehr steckend, aber noch immer nicht abschalten und endlich zu Hause angekommen ist es dann auch oft zu spät um dem Körper ausreichend Ruhe- und Entspannungsphasen zu gönnen.
Das Genießen eines Ginsengtees kann uns, wenn auch nur in geringem Maße, dabei unterstützen gelassener auf all diese Einflüsse zu reagieren und Stress zu verringern.